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Interview: Christian Beer
Geschrieben von: Dominik   

 

Wir hoffen, dass euch die Idee mit den Entwickler-Interviews gefällt. Daher haben wir heute für euch auch wieder ein Interview vorbereitet. Für dieses Interview stellte sich der Entwickler von iVocabulary, Christian Beer, zu Verfügung. Für das Interview bitte auf "Weiterlesen" klicken.

iGadget-News: Wie lange entwickeln Sie schon Apps?
Christian Beer: Mit der Entwicklung von Anwendungen für das iPhone habe ich bereits im September 2007 begonnen. Damals noch mit der inoffiziellen Toolchain und nicht vorhandener oder nur generierter Dokumentation. Meine ersten Applikationen waren ein Poker-Timer und eine Voice-over-IP App, die aber wegen einer Sperre im iPhone leider nicht funktioniert hat. Meine erste richtige App - iVocabulary - habe ich dann ab ungefähr April 2008 entwickelt. Ab Oktober 2008 war sie dann im AppStore verfügbar. Die ersten Entwicklungen habe ich neben dem Studium und später neben der Arbeit gemacht. Seit Anfang Dezember bin ich nun hauptberuflicher iPhone Entwickler.

iGadget-News: Wie sind Sie auf die Idee gekommen iPhone / iPod Touch Apps zu entwickeln?
Christian Beer: In meiner damaligen Arbeit in einem Startup-Unternehmen hatte ich die Möglichkeit mir ein iPhone aus Amerika mitbringen zu lassen. Dies habe ich genutzt und hatte schon recht früh ein gejailbreaktes iPhone zur Verfügung. Dadurch, dass ich mich schon immer für mobile Anwendungen begeistern konnte und ich die Plattform natürlich sehr interessant fand, kam ich schnell auf die Idee, Software dafür zu entwickeln. Als dann endlich das offizielle SDK veröffentlicht wurde, war ich natürlich sofort davon begeistert.

iGadget-News: Wie sammeln sie die Ideen für neue Apps?
Christian Beer: Die Ideen für meine Apps entstehen eigentlich immer dadurch, dass ich selber eine Applikation benötige. iVocabulary entstand, weil ich damals Spanisch lernen wollte und es keine Möglichkeit gab, auf dem iPhone Vokabeln zu lernen. Ich entwickele also meine Applikationen eigentlich erstmal für mich und freue mich, wenn sie dann auch andere glücklich macht.

iGadget-News: Wie viele Stunden stecken Sie wöchentlich in das Entwickeln von Apps?
Christian Beer: In der Anfangszeit waren es 1-2 Stunden am Tag und am Wochenende mal ein paar Stunden mehr. Jetzt, als hauptberuflicher iPhone Entwickler, sind es 3-4 Tage in der Woche.

iGadget-News: Was genau macht ihnen am Entwickeln von Apps am meisten Spaß?
Christian Beer: Die Fähigkeiten des iPhones gepaart mit der Mächtigkeit der Frameworks von Apple machen mir am meisten Spaß. Die Bibliotheken sind durchdacht, und es lassen sich damit sehr einfach wirklich beeindruckende Effekte erzielen. Faszinierend ist auch, wie sich die kleine Fläche des iPhone Bildschirms effektiv und für den Benutzer angenehm nutzen lässt. Es ist immer eine Herausforderung, die Informationen und Bedienelemente auf der kleinen Fläche zu verteilen. An Apps wie Tweetie sieht man, wie mit einfachen Ideen eine gelungene, weil einerseits gut bedienbare und andererseits umfangreiche Bedienoberfläche, mit den Möglichkeiten des iPhone geschaffen werden kann.

iGadget-News: Welches App war von der Entwicklung am aufwendigsten und wieso?
Christian Beer: Die aufwendigste App war bisher mit Abstand iVocabulary. Sie basiert teilweise auf ProVoc, einer Desktop-Applikation. Bei der Umsetzung einer Desktop-Applikation kommt es darauf an, das richtige wegzulassen. Es darf nicht zu viel fehlen, aber es können auch nicht alle Funktionen übernommen werden. Die ersten Versionen von ProVoc basierten auf dem Datenmodell von ProVoc, das einfach in den Speicher geladen wurde. Bei Dateien mit über 11.000 Vokabeln stößt die App schnell an die Grenze des kleinen Hauptspeichers des iPhones. Daher habe ich die Datenhaltung von iVocabulary komplett auf die SQLite Datenbank umgestellt. Das war eine extrem komplizierte Änderung in fast allen Ebenen der Applikation, aber sie verlief leider auch nicht ohne Probleme.

iGadget-News: Was für Apps sind für die Zukunft geplant?
Christian Beer: Im Moment entwickele ich Applikationen für Kunden, über die ich noch nichts verraten darf. Meine eigenen Pläne konzentrieren sich eigentlich auf die Weiterentwicklung von iVocabulary, für das ich noch viele Pläne habe. Wahrscheinlich überarbeite ich die Oberfläche der App noch ein wenig, um eine Auswahl von Kapiteln und Vokabeln, wie es auch ProVoc bietet, zu ermöglichen. Eine richtige Synchronisierung mit ProVoc ist ebenfalls geplant. Daneben soll es viele Verbesserungen und Erleichterungen an der Benutzeroberfläche geben.
Als längerfristiges Ziel ist die Portierung von iVocabulary auf die android Plattform geplant. Dazu habe ich schon ein paar Pläne gemacht, konkrete Termine sind aber noch nicht absehbar.


iGadget-News: Welchen Aspekt finden Sie beim Entwickeln von Apps am unbequemsten?
Christian Beer: Das Entwickeln an sich finde ich sehr bequem. Ich bin sogar ein Fan von Objective-C geworden, obwohl das viele nicht verstehen können. Was ich am AppStore sehr unbequem finde, ist das Preis-Empfinden der Kunden. Es gibt leider sehr viele Kunden im AppStore, die Software als zu teuer empfinden, die mehr als 79ct kostet. Umgekehrt erwarten diese Kunden aber, dass die 79ct teure Software alle ihre Wünsche erfüllt. Ich bin aber sehr froh, dass es auch im AppStore einen Kundenkreis für 5 € teure Software gibt.

iGadget-News: Machen Sie dies haupt- oder nebenberuflich?
Christian Beer: Bis November 2009 habe ich die iPhone Entwicklung nebenberuflich gemacht, ab dem 1. Dezember 2009 mache ich es hauptberuflich. Dabei versuche ich mich einerseits auf eigene Applikationen zu konzentrieren, andererseits Projekte für Kunden umzusetzen, um so eine gewisse Sicherheit in meinen Einkünften zu erzielen.

iGadget-News: Wie viele Leute helfen Ihnen die Apps zu entwickeln.
Christian Beer: Die eigentliche Softwareentwicklung mache ich alleine. Die Texte für iVocabulary werden von Bekannten in Spanisch und Französisch übersetzt.  Für Bilder und Icons habe ich bekannte Grafiker, die mir ab und zu helfen, die Applikationen hübsch zu machen. Für die Testphase kann ich bei iVocabulary auf eine kleine Gruppe von Beta-Testern zurückgreifen.

iGadget-News: Wie kommen Sie auf den Namen für die Apps?
Christian Beer: Also iVocabulary war eigentlich ein relativ doofer Einfall von mir. Damals dachte ich, eine iPhone Applikation muss mit einem kleinen „i“ beginnen. Viele Gedanken habe ich mir über den Namen aber nicht gemacht. Eigentlich war iVocabulary auch mehr ein Experiment, und ich dachte, es verkauft sich überhaupt nicht. Die nächsten Namen würde ich ohne ein kleines „i“ machen.

iGadget-News: Wie viel Zeit nahm ihr App iVocabulary zum Entwickeln in Anspruch?
Christian Beer: Das ist sehr schwer zu sagen. Anfangs habe ich die Applikation neben dem Studium und neben der Arbeit entwickelt und dabei nicht auf die Zeit geachtet. In der Zeit habe ich mich auch parallel in die iPhone Entwicklung eingearbeitet und viele Fehler gemacht, die ich jetzt nicht mehr mache. Eine konkrete Zahl kann ich somit nicht nennen, aber es hat schon recht viel Zeit in Anspruch genommen. Heute würde ich die erste Version von iVocabulary wahrscheinlich in zwei Wochen entwickeln, den Aufwand für die aktuelle Version 2.0 würde ich aber eher in Monaten schätzen.

iGadget-News: Wie stehen sie zum Apple-Review-Prozess?
Christian Beer: Die Idee des Review-Prozesses finde ich sehr gut, da so Viren und andere Mal-Ware verhindert werden kann. Leider wurde durch den Review-Prozess zu wenig auf Software-Qualität und die Einhaltung der Human Interface Guidelines von Apple geachtet, so dass viele schlechte Software im AppStore verfügbar ist. Natürlich kann ich verstehen, dass Apple aus Gründen des Marketing gerne so viele Apps wie möglich im AppStore hat, aber die gefühlte Softwarequalität hat sehr darunter gelitten.
 

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