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iPhone 4S: Alter Wein in alten Schläuchen
Geschrieben von: Frank   

Das Apple Event ist vorbei und dürfte bei manchen Apple-Fans für lange Gesichter gesorgt haben. Großspurig verkündete Apple zu Beginn der Präsentation die Nummer eins zu sein: Nummer eins beim Marktanteil mobiler Betriebssysteme, Nummer eins bei der Kundenzufriedenheit, Nummer eins bei den Tablets und MP3-Playern. Fast scheint es so als wollte sich Apple damit im Voraus verteidigen für die anschließend schwache Produktvorstellung.

Sämtliche iPods bleiben ein weiteres Jahr unverändert. Das iPod Event 2011 ist damit schlichtweg ausgefallen. Das allein wäre schon eine Negativschlagzeile wert. Darüber kann auch das kaum erwähnenswerte Firmware-Update für den iPod nano nicht hinwegtäuschen. Die neuen 16 Uhrendesigns werden keine zusätzlichen Käufer mobilisieren. Wer einen aktuellen iPod hat, wird ihn behalten, das war's.

Beim iPhone sieht es nur wenig besser aus. Evolution statt Innovation lautet hier die Devise. Am Ende muss sich der geneigte Käufer fragen: Wie viel iPhone 4S brauche ich wirklich? Nach mehr Rechenleistung dürfte es vor allem Spieler und mobile Internet-Surfer gelüsten. Der doppelkernige A5-Prozessor wird Mobile Safari nahezu auf iPad-2-Geschwindigkeit hieven. Aber dies ist auch dringend notwendig um den Anschluss an die Konkurrenten nicht zu verlieren, denn die so oft gepriesenen HTML5-Webinhalte verlangen nach reichlich CPU-Power. Ein Pflicht-Upgrade also.

Auch die neue 8-Megapixel-Kamera muss sich erst noch in der Praxis beweisen. Geht die Auflösung zu Lasten der Lichtempfindlichkeit, wären im Vergleich zum iPhone 4 nicht bessere, sondern schlechtere Schnappschüsse die Folge. Allerdings muss man Apple zugute halten, dass der Konzern in der Vergangenheit stets auf eine möglichst gute iPhone-Kamera Wert legte. Die Möglichkeit Videos endlich in FullHD aufnehmen zu können ist ebenso ein längst fälliges Pflicht-Upgrade, der Bildstabilisator geht als nettes Gimmick durch.

Die nahezu unveränderte Akkulaufzeit des iPhone 4S zeigt die negativen Seiten von Apples Geräte-Schlankheitswahn auf. Ein größerer Akku passt einfach nicht mehr in das knapp bemessene Gehäuse und würde das Gerät zudem schwerer machen. Ohne einen Durchbruch in der Akku-Technologie, und davon ist man aktuell weit entfernt, wird uns auch in den nächsten Jahren kein iPhone mit merklich längerer Akkulaufzeit vorgestellt werden. Die Fortschritte beim CPU-Energiemanagement werden durch die höhere Rechenleistung der Geräte einfach aufgefressen.

14,4 Mbit/s als maximale Datenübertragungsrate im UMTS-Netz klingen erst einmal gut, werden aber von der Konkurrenz schon länger erreicht und führen auch nicht zu einem schnelleren Website-Aufbau. Das Nadelöhr ist nämlich vor allem die hohe Latenz der UMTS-Technik und die limitierte Rechenleistung des Smartphones. In Deutschland drücken zwei weitere Faktoren auf die Datenbremse und die nennen sich Netzabdeckung und Netzüberlastung. Immer mehr Smartphones buchen sich ins Mobilfunknetz ein und damit steigt auch der Datenbedarf. Da sich alle Teilnehmer einer Mobilfunkzelle die maximale Downloadrate teilen, wird in der Praxis nur ein Bruchteil der möglichen Datenübertragungsgeschwindigkeit erreicht. Die Marke 14 Mbit/s wird daher nur in einem nicht existierenden Idealfall geknackt. Der Netzbetreiber muss die Geschwindigkeit vor Ort bereitstellen, die Verbindungsqualität zur Mobilfunkstation muss optimal sein und nicht zuletzt sollten sich auch möglichst keine anderen mobilen Datennutzer in der Nähe aufhalten. Natürlich sind mir persönlich theoretische 14,4 Mbit/s trotzdem lieber als 7,2 Mbit/s, innovativ ist das Verbauen eines gängigen HSPA-Funkmoduls aber nicht, zumal einige Netzbetreiber bereits 21,6 Mbit/s bereitstellen.

Die nach meiner Auffassung einzige echte Hardware-Innovation des iPhone 4S ist die Möglichkeit in allen Mobilfunknetzen der Welt zu funken. Zumindest in Ländern die auf die CDMA-Technik setzen, dürfte sich der vorübergehende Mobilfunkbetreiberwechsel, aber als nicht ganz einfach herausstellen. Das CDMA-Netz kennt nämlich keine SIM-Karte. Ob es Apple gelingt die Mobilfunk-Provider zur Zusammenarbeit zu überreden und ein einfach zu handhabendes, international gültiges Abrechnungsmodell zu schaffen, muss sich erst noch zeigen. Zudem ist völlig offen ob iPhones, die mit einem SIM-Lock versehen sind, einen Abstecher ins fremde CDMA-Netz machen können, oder nicht.

Der von Apple vorgestellte Sprachassistent Siri machte während der Präsentation ordentlich Eindruck auf das Publikum. Die Praxistauglichkeit der Sprachsteuerung zweifle ich persönlich jedoch an, denn dort wo ich mein iPhone besonders häufig nutze, nämlich in öffentlichen Verkehrsmitteln und in öffentlichen Gebäuden, befinden sich in der Regel auch eine Menge Mitmenschen, denen ich weder meine Antwort auf private E-Mails, noch meine zukünftigen Kalender-Ereignisse mitteilen möchte. Für Autofahrer dürfte Siri dagegen eine willkommene Hilfe sein das iPhone auch während der Fahrt zu bedienen, ohne Punkte in Flensburg zu riskieren. Vorausgesetzt natürlich der Sprachassistent versteht den Nutzer trotz der vorherrschenden Geräuschkulisse im Wagen.

Enttäuscht hat mich auch Apples Preispolitik. Bis zu 849 Euro kostet ein iPhone 4S (64 GB Speicher). Ein Speicher-Upgrade (von 16 auf 32 und von 32 auf 64 GB) kostet zudem nicht mehr 100 Euro Aufpreis wie bisher, sondern 110 Euro. Angesichts der lediglich an aktuelle Ansprüche angepassten Hardware und des wachsenden Konkurrenzdrucks, ist das einfach zu viel Geld. Auch das iPhone 4, das weiterhin erhältlich ist und für 519 Euro über die Ladentheke geht, kostet für ein 8-GB-Modell zu viel. Gemäß Apples Speicher-Upgrade-Logik müsste ein iPhone 4 mit doppeltem Speicher, also 16 GB, 110 Euro mehr kosten. Damit würde ein fiktives (jetzt nicht mehr erhältliches) iPhone 4 mit 16 GB Speicher 629 Euro kosten. Genau so viel wie ein iPhone 4S mit identischem Speicherplatz. Diese Preisgestaltung erschließt sich mir persönlich nicht. Ebenfalls als zu teuer empfinde ich das iPhone 3GS mit 8 GB. Stolze 369 Euro verlangt Apple immer noch für ein gut zweieinhalb Jahre altes Gerät, das sich in dieser Preisklasse bereits mit aktuelleren  Top-Smartphones des Android-Lagers messen muss. Etwas Positives haben die hohen Preise dann aber doch: Der Wertverlust aktueller iPhones hält sich damit in Grenzen und wer sein altes iPhone bei eBay versteigert möchte, wird noch einen guten Preis erzielen.

Eines steht für mich seit gestern jedoch fest: Der Apple-Kult hat einen tiefen Kratzer bekommen. Nach dem Auffahren dieser eher enttäuschenden Produktpalette dürfte der Druck auf CEO Tim Cook erheblich wachsen. Apple-Fans machen derweil ihrem Ärger im Internet Luft. Nur eine Minderheit scheint mit dem iPhone 4S zufrieden zu sein. Nach gut 1,5 Jahren hätte Apple mehr auffahren müssen, lautet die Meinung einiger Nutzer. Die Konkurrenz wird das gewonnene Jahr, bis zur Vorstellung des iPhone 5, zu nutzen wissen und weiter zu Apple aufschließen, wenn nicht gar zum Überholmanöver ansetzen.

Kommentare (8)
  • Mario  - Tolle Zusammenfassung!
    Eine tolle und treffende Zusammenfassung ...!
    Nach 1,4 Jahren warterei so was schmales abzuliefern - da merkt man deutlich
    dass Steve das Heft des Handelns aus der Hand gegeben hat.
    R.i.p. Steve Jobs - Steve Jobs wird als einer der wenigen wirklichen Visionäre
    des digitalen Zeitalters in Erinnerung bleiben ...
  • Dawid  - Kleine Kritik
    Ich finde, dass du das alles sehr schön zusammengefasst hast, doch verstehe ich
    die allgemeine Kritik an Apple nicht. Dass die Hardware von den Androiden
    mittlerweile mindestens genauso gut wenn nicht besser als das iPhone ist, sollte
    jedem klar sein. Doch solange Google es nicht schafft, Android wie iOS
    aufzubauen, unter dem motto "Weniger ist mehr", werden die Androiden
    Apple nicht überholen. Selbst meine Oma kann ein iPad bedienen. Das Samsung
    Galaxy Tab von meinem vater hat sie nach 5 Minuten wieder weggelegt. Ganz
    einfach. Man muss zwar sagen, dass es Steve Jobs zu verdanken ist, der immer den
    mut hatte zu sagen, dass man auf die unnötige Kleinigkeit verzichten kann, doch
    ist das iOS im Grunde das bestemobile Betriebssystem. Meiner Meinung nach sind alle Leute, die von Apple ein
    iPhone 5 erwartet haben, Unwissende, so nenne ich sie jetzt. Wenn mal überlegt.
    Das erste iPhone kam, dann das iPhone 3G, stand übrigens für das Netz 3G, also
    UMTS und nicht füpr die 3. generation. Danach kam das iPhone 3G Speed. Letztes
    Jahr erschien das iPhone 4. Im Grunde ist das iPhone 4 die 3. generation, es
    hieß aber 4, weil es das 4. gerät ist. Mit dem iPhone 4 Speed hat Apple, ähnlich
    wie beim 3GS, nur ein Upgrade gebracht. Und zu dem Thema, dass Apple in 1,5
    Jahren mehr auf die Reihe kriegen hätte müssen: Ich muss sagen, dass ich sehr
    beeindruckend vom neuen Siri bin. Meiner Meinung nach ist das der 1. Schritt in
    die Sprachsteuerung von allem Möglichen. Wenn wir in sagen wir mal 30 Jahren im
    Alltag mit Robotern arbeiten, wird im Grunde die Technologie von Apple dahinter
    stecken. Apple hat damit einen neuen Meilenstein in der Sprachsteuerung gesetzt
    und das ist höchst beeindruckend. Also sollen nicht alle Leute rumheulen, weil
    sie alle vom iPhone 4S enttäuscht sind, sondern von einer solch außergewöhlichen
    Technologie beeindruckt sein, denn so etwas gibt'...
  • Dawid  - Kleiner Zusatz
    Eins möchte ich aber noch hinzufügen.
    Meiner Meinung nach ist das iPhone 4S zwar ein neuer Meilenstein, doch wird
    Apple auf die Art und Weise nicht mehr lange so erfolgreich sein, wie jetzt. Das
    Ding ist. Früher, also 2007, als ich mir das 1. iPhone kaufte, hatten nicht
    viele Leute ein iPhone. Ein iPhone war etwas Besonderes. Klar, das iPhone war
    genial, trotzdem war es für viele schlicht zu teuer, oder sie wussten gar nicht,
    welche Möglichkeiten es einem bietet. Bis zum iPhone 3GS war meiner Meinung nach
    alles Okay. Doch seitdem das iPhone auch bei O2 und Vodafone im vertrieb ist,
    kaufen zwar enorm viele Leute iPhones, doch sind das alles diese Kinderkunden,
    die sich ein iPhone kaufen um anzugeben, doch im Grunde gar nicht wissen, wie
    man es bedient. Diese Kunden sind mittlerweile der Großteil. Man kann ja mal in
    der Fußgängerzone herumlaufen und ein paar iPhonebesitzer befragen, was denn das
    iOS sei. Ich kann wetten, dass mehr als 50% die Frage nicht beantworten können.
    Und das nervt mich. Und dank dieser "Kinderkunden" und auch vollkommen
    dummen Journalisten wird Apple irgendwann nicht mehr so erfolgreich sein, weil
    die Journalisten immer irgendwelche iPhone 5's erfinde, doch diese nie von Apple
    bestätigt wurden, und diese Kinderkunden den ganzen Zeitungsscheiße glauben und
    sich alle auf's Iphone 5 freuen und dann rumheulen, wenn's keins gibt. Von daher
    ist es für Apple schlicht unmöglich, den "Anforderungen" der Nutzer
    nachzukommen, denn diese Kinderkunden haben keine Ahnung, was hinter einem Siri
    steckt, oder was das Besondere an einem iPhone ist. Für die soll ein iPhone ein
    neues Design haben, ordentlich Rechenpower drin sein, weil das das einzige ist,
    was vielleicht noch wer versteht, wenn dort "Dual Core" steht. Diesen
    Leuten geht's nur um's Prollen. Das Handy soll geil aussehen. Und das find ich
    einerseits trauri...
  • Frank
    Apple legt doch gerade viel Wert auf einfache Bedienung, und die Zielgruppe sind
    daher nun einmal vor allem Leute, die mit der Technik dahinter nichts am Hut
    haben. Wie Du schon sagtest, selbst Deine Oma kann ein iPad bedienen.

    Zum erwarteten iPhone 5: Die Journalisten schreiben nur das was die Leute lesen
    wollen. Ich klammere unseren Blog an dieser Stelle aber aus, denn über Gerüchte
    berichten wir hier nicht. Apple selbst ist der große Geheimniskrämer und
    profitiert am meisten von den immer wieder durch die Presse geisternden
    Gerüchten. Besseres Marketing gibt es nicht. Dazu ist es noch völlig gratis.
  • Frank
    Hallo Dawid,

    vielen Dank für Deinen Kommentar. Zu großen Teilen kann ich Dir beipflichten,
    allerdings bin ich gerade was Siri angeht noch sehr skeptisch. Dazu brauche ich
    mir nur die aktuelle Sprachsteuerung auf dem iPhone ansehen. Die funktioniert
    praktisch überhaupt nicht. Liegt es daran, dass der Algorithmus zu dumm ist,
    oder dass mich die Software auf Grund von Umweltgeräuschen nicht versteht? Ist
    letzteres der Fall, wird auch Siri enttäuschen. So oder so würde ich keine
    Wunder erwarten. Siri kennt genauso wie die alte Sprachsteuerung nur bestimmte
    Keywords und leitet daraus den Sinn der Eingabe ab. Alles andere jagd Siri durch
    Wolfram Alpha, eine semantische Suchmaschine. Wie viel Praxistauglichkeit also
    in Siri steckt, werden wir am 14. Oktober sehen. Fairerweise muss man dazu
    sagen, dass Siri keine Apple-Entwicklung ist sondern lediglich von Apple
    eingekauft wurde.
  • Dawid
    Da hast du natürlich Recht. Und was ich so gelesen habe, ist der Blog hier ganz
    vernünftig. Natürlich ist Apple Zielgruppe mit dem simplen iOS und alles
    unerfahrene Menschen, trotzdem ist das ganze nicht mehr so wie früher. Ich
    wollte damit eigentlich nur sagen, dass Apple auf die Art und Weise nichts
    besonderes mehr ist. Na klar, Apples Konzept "Technik ist wichtig, aber
    Design noch mehr. " spricht äußerst viele Kunden an. Ja, iPhones sehen geil
    aus, aber ich denke, dass Apple, wenn sie ihr Konzept nicht ändern, früher oder
    später untergehen wird. Heutzutage hat fast jeder ein iPhone. Und diese
    Massenproduktion ist einfach nicht Apples Stil. Ich denke, dass vor allen Dingen
    ohne Steve Jobs das dort alles unkontrolliert werden kann. Es muss nicht, aber
    es kann. Mittlerweile ist es denke ich so, dass viele alte Apple Fans, die sich
    schon immer macBooks, iMacs und Co. Gekauft haben, jetzt so langsam die Schnauze
    voll haben. Ich bspw. überlege mir auch, mir jetzt ein Samsung Tablet zu holen
    anstatt dem iPad 2. Apple hat viele Kunden, schön und gut, aber keine Kunden,
    die zu ihnen halten. Sobald es was besseres aufm Markt gibt, sind die kunden
    alle weg.
  • Frank
    Genau das ist aber das Erfolgsgeheimnis von Apple, dem Kunden zu suggerieren er
    hätte ein seltenes Luxuprodukt erstanden, obwohl Millionen andere es ebenfalls
    besitzen :)
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